Wie bekomme ich gute klar lackierte Oberflächen?

Jacaranda Mast nach dem Kauf
Jacaranda Mast nach dem Kauf

Moin zusammen,

immer wieder erreichen uns Mails, wie die folgende:

 

Hallo, Ihr von Klassisch am Wind!

Ich verfolge ab und an Eure Webseite – die ist wirklich gut. Bin auch ´n büschen beeindruckt, was Ihr im Winter alles an Instandhaltung reisst.

Nu kann ich sehr gut verstehen, wenn Ihr für solche Fragen wie die folgende nicht so viel (Zeit) übrig habt, erlaube mir aber trotzdem mal dreist zu fragen:
Wenn Ihr Eure Holzmasten abzieht und neu lackiert, benutzt Ihr die alten Schraubenlöcher wieder, wenn Ihr die Beschläge wieder anbringt, oder macht Ihr die dicht, mit Holzpfropfen? Und was nehmt Ihr an Lack?

Ich dachte, meinen Mast abzuziehen, eventuell mit Öl zu sättigen und überzulackiern. Überlege, ob man die alten Löcher wiederverwenden kann und mit Sikaflex abdichtet, wenn die Schrauben reinkommen…

 

Okay, das war auch mehr als eine Frage. Wäre sehr dankbar für eine Antwort aber nehme es auch nicht übel, falls es nicht passt.

Habt einen schönen Winter! Gruss aus Trondheim

C……..

 

 

Natürlich sind wir kein Werftbetrieb, haben aber im Laufe der letzten Jahre einige Erfahrung mit der Erstellung von Oberflächen gewonnen.

Hier unsere Vorgehensweise, ohne den Anspruch, dass dies die beste sei.

1. Arbeitsschritt:

Alle Oberflächen von unseren Neuanschaffungen ziehen wir in der Regel einmal komplett ab. Dies passiert mit Heißluft und Ziehklinge oder Spachtel. Dann kommen Reparaturen, falls erforderlich und anschließend wird geschliffen, bis etwa Körnung 280. Zumindest die letzten Schleifgänge, von Hand.

2. Arbeitsschritt:

Wir ölen den abgezogenen Mast (und alle anderen abgezogenen Teile) mit Owatrol Grundöl nass in nass bis zur Sättigung. Dann wischen wir ihn mit einem saugfähigen Lappen ab, damit keine Ölseen stehen bleiben, weil die kaum trocknen würden. Anschließen muss man sehr lange warten (bis zu 3 Wochen je nach Temperatur), bevor es weiter geht. Anschließend Zwischenschliff mit 280er Papier.

3. -10. Arbeitsschritt:

10 Schichten Epifanes varnish aufbringen. Die erste 50% mit Terpentinersatz und Owatrol verdünnt, dann 25% dann 20% dann 15%  dann 10% und die letzten 5 mit etwa 5 % Terpentin verdünnt. Jedesmal Zwischenschliff mit 280er. Vor dem letzten Anstrich evtl. mit 360er Papier. Jeden Anstrich gut trocknen lassen, bevor der Nächste aufgebracht wird.

 

Jacaranda Mast mit 10 Schichten Lack
Jacaranda Mast mit 10 Schichten Lack

In jedem weiteren Jahr bringen wir nur zwei Anstriche auf, es sei denn es gibt Beschädigungen, dann muss in dem Bereich wieder zehn mal gepinselt werden.

 

Wir schrauben jeden Winter alle Beschläge ab, das macht sich einfach besser beim Lackieren.

Da, wo die Holzschrauben nicht mehr fassen, werden Buchendübel mit Epoxy eingeleimt.

Die Holzschrauben werden mit einem Gemisch aus Owatrolöl und Winschenfett eingesetzt (soll so die Konsistenz von dünnflüssigem Honig haben) das klappt super, viiiiiel besser, als Sika oder so ein Zeug. (Tipp von Björn und Robert, Folkeboot Lotte)

 

So machen wir das also. Recht viel Arbeit, aber ein sehr ansehnliches Ergebnis.

Beste Grüße Mike

 

Falls ihr weitere Fragen habt, postet sie gerne unten in die Kommentar-Funktion.

 

5 Kommentare

  • Ralf Gerhard says:

    Moin Ihr zwei, echt krasser Unterschied zwischen den beiden Jacaranda Mastbildern. Wie viel mustet Ihr denn da runterschleifen, um die schwarzen Stellen wegzubekommen? Benutzt Ihr eigentlich auch diese Staubbinde-Tücher? Gruß Ralf Gerhard

  • klassisch says:

    Hallo Ralf,
    stimmt, als wir den Mast, das erste Mal gesehen haben und das Bild oben zeigt nicht die schlimmste Stelle, dachten wir, das wird nix mehr mit dem Mast.
    Aber nun ist es der am besten Aussehende von unseren Vieren. Ich kann nicht sagen, wieviel wir wirklich abgetragen haben, vermutlich wenige Zehntel Millimeter. Allerdings läßt sich ein gewisser Materialabtrag und eine damit verbundene Schwächung der Struktur nicht vermeiden. Deshalb, nur abziehen, wenn es wirklich nötig ist. 10 oder mehr Jahre nicht abziehen und nur jedes Jahr zwei Schichten nachlegen, sollte überhaupt kein Problem sein.
    Nach jedem Schleifen, fegen wir erst, dann saugen wir, danach mit einem feuchten Küchentuch und unmittelbar vor dem nächsten Lackieren verwenden wir diese Staubbindetücher.
    Aber mal ehrlich, das, was man beim Lackieren und richtigem Licht evtl. als Mangel identifizieren kann, sieht im richtigen Leben, wenn der Mast steht, kein Mensch mehr. (Aber der Lackierer weiß es halt ;-()

    Gruß Mike

  • Heiko Müller says:

    Hallo Mike,
    ich möchte nach Deiner Rezeptur auch so tolle Oberflächen zaubern. Eine Sache ist mir dabei unklar. Was verstehst Du unter Owatrol Grundöl? Meinst Du damit das D.1 oder dieses andere Owatrol-Öl, das sowohl auf Holz als auch als Rostschutz genutzt werden kann? Danke schon mal für Deine Antwort.
    Viele Grüße, Heiko

  • Heiko Müller says:

    DANKE!!!
    Gruß, Heiko

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