Segelsommer 2015 mit Folkeboot Tzefix von Lisa Müller

Moin zusammen,

der folgende, sehr ausführliche Törnbericht stammt von Lisa Müller, einer jungen Frau, die einhand mit ihrem Folkeboot Tzefix unterwegs ist. Wir haben Lisa bei unserem ersten Folketreffen in Arnis kennengelernt. Sie hat sich sowohl beruflich, als auch privat der Schifffahrt bzw. dem Segeln verschrieben, aber lest selbst!

 

 

Segelsommer 2015 (Teil 1)

Unser Segelsommer des letzten Jahres begann ganz hervorragend mit einer großen Dosis Folkebootgemütlichkeit beim ersten Folkeboottreffen der Vercharterer klassisch-am-wind und Die Wildgänse in Arnis.

Auch wenn wir  auf dem Trailer anreisten und infolge dessen noch so einiges am Boot zu tun hatten und das Wetter uns Seglern auch nicht sehr wohl gesinnt war, hatten wir eine schöne Zeit und haben viele Boote und ihre Segler kennengelernt und Kontakte geknüpft, die weiter bestehen. Nach einer stürmischen kühlen Woche in der Schlei musste mein Vater und bis dahin Mitsegler bereits wieder abmustern und mit einem neuen Motor (der alte hatte am Tag zuvor beschlossen, den Dienst zu quittieren) segelte ich endlich bei angenehmem Wind und Wetter hinaus auf die Ostsee. Erstmal nach Sonderborg, nur einen vagen Plan in Hinterkopf und ein paar Wunschziele, von denen ich vorsichtshalber nur wenigen erzählt hatte. Der Rest würde sich schon nach und nach aus der Hauptrichtung zu meinem ersten großen Ziel, Anholt, ergeben und eilig hatte ich nun es wirklich nicht. Was sich als sehr vorteilhaft erwies, denn gleich in den nächsten Wochen hatte ich sowohl einige Starkwind- als auch Flautentage auszusitzen während ich mich langsam durch den Als Sund und den kleinen Belt nach Norden bewegte.

Da dies erst mein zweiter Sommer mit Tzefix und der erste als Einhandseglerin war, gab es ohnehin noch viel Neues für uns zu lernen, auszuprobieren und zu erleben, so dass ganz gut passte, erstmal nur kürzere Etappen zu segeln. Da wir noch nie in diesen Gefilden gesegelt waren, war ohnehin jeder Hafen neu und so verholten wir nach den ersten Tagen nach Horuphav um dem Trubel in Sonderborg zu entkommen bevor dann die Bedingungen passten um nach Dyvig, bzw. Mjelsvig zu segeln und dort die erste Nacht vor Anker zu verbringen.

Wirklich aufregend, auch wenn die totale Flaute natürlich eine angenehme Nacht sicherte und am folgenden Tag eine Radtour durch die Umgebung zur lockenden Alternative wurde.

Auf den nächsten Segeltag bin ich einigermaßen Stolz, legten wir doch sowohl unter Segeln ab als auch an (in Kalvö), schon wieder ein „zum ersten Mal“. Außerdem sehe ich die ersten Schweinswale, was ich zwar gehofft hatte, aber nicht so bald erwartet. Ein schöner kleiner Hafen auf einer sehr kleinen Insel, die allerdings durch einem Damm mit dem Festland verbunden ist. Ich lernte Klaus kennen, einen Pastor, der sich hier zur Ruhe gesetzt hat, als er abends mit Pfeife im Mund vor meinem Boot steht und es vermutlich bezüglich seiner Schönheit gelobt hat. Genau hab ich den dänischen Kommentar nicht verstanden, aber es klang freundlich und wir kamen in ein im weiteren in englisch verlaufendes Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er aus einer Gegend kam, in die ich schon immer mal segeln wollte und als er mir für den Abend ein Buch darüber lieh, verfestigte sich mein Wunsch dorthin zu segeln nur noch mehr. Sollte allerdings noch dauern, bis ich an seiner Heimat vorbei segelte. Erstmal verkroch ich mich vor der nächsten Starkwindepisode in Haderslev, nachdem eine Nacht in Arösund mich dort nicht länger hielt. Im hintersten Winkel des Fjords war es deutlich ruhiger und ich erledigte mal wieder ein paar Umbau- und Optimierungsarbeiten an Bord, besuchte ein Museum in der kleinen Stadt oder ging an den grünen Ufer des Fjords über die Kuhweiden spazieren. Der nette Hafenmeister ließ mich zudem seine Privatadresse für eine Postnachsendung verwenden und die Bekanntschaft eines Dänen, der zeitweilig im Allgäu ( ganz in der Nähe meiner Heimat) zu hause war, machte ich auch.

 

Normalerweise können Dänen (und auch viele andere) nichts mit meinem Bootsnamen anfangen, aber dieser hatte uns sofort richtig verortet. So hörte ich dann auch am Tag darauf früh morgens unter Motorengetucker seinen Abschiedsgruß „Servus Tzefix“ während ich noch in der Koje lag.

 

Unser nächstes Ziel, Middelfart, das wir nach einer schönen Kreuz bei glattem Wasser durch den Fanösund erreichen, ist nicht ganz unbedeutend für uns, da Tzefix hier 1972 von Thorkild Lind gebaut wurde und gute 40 Jahre nach diesem Ort den Namen „Melfar“ trug. Wir liegen im kleinen alten Hafen ganz nah an der hübschen Altstadt, wo wir noch einen Platz längsseits finden konnten.

Am nächsten Tag hatten wir uns eigentlich Endelave als Ziel ausgeguckt, doch erst herrscht mal wieder Flaute und nach ein paar Kringeln auf der Stelle habe ich keine Geduld mehr und beschließe stattdessen unter Motor den nächstgelegenen Hafen Rosenvold anzulaufen. Das erweist sich als gute Entscheidung, denn der winzige Hafen, in dem wir uns in eine der beiden freien Boxen bugsieren liegt an einem sehr schönen Strand, der von duftenden Heckenrosen gesäumt wird und so habe ich noch etwas von dem schönen Tag und spaziere Eis essend an den Hecken und am Schloss Rosenvold vorbei durch die sehr grüne Landschaft.

 

Nach einer regenreichen Nacht, in der ich neue Tropfstellen feststelle, ist am nächsten Tag auch wieder etwas Wind und wir kommen gut nach Endelave, in einen fast gänzlich leeren Hafen. Dauerlieger scheint es hier kaum zu geben und auch im Örtchen ist kaum etwas los. Einen kleinen Laden aber gibt es und eine stundenweise geöffnete Poststelle. Hier bleiben wir noch zwei weitere Tage, den ersten wegen absoluter Flaute, den zweiten wegen zu viel Wind. Zum Zeitvertreib blase ich mein neues Beiboot auf, das ich „Ding i“ getauft habe und mache eine zufriedenstellende Testfahrt im Hafen, kurve im Slalom um die ganzen unbelegten Dalben, bis sich der Hafen schlagartig füllt. Eine dänische Schulklasse auf Abschlussfahrt motort mit etlichen Booten vom Festland herüber und erfüllt den Hafen mit Trubel. Auch sie sitzen den windigen Tag hier aus, bewegen sich aber nicht weiter vom Hafen weg als bis zum Kiosk, weswegen ich bei meiner Rundwanderung wieder das Gefühl von Leere auf der etwas windzerzaust wirkenden Insel habe.

Damit unterscheidet sie sich stark von Tunö, wo einiges los ist, obwohl wir extra vor dem Musikfestival her gekommen sind, und die man schlecht anders als mit lieblich, malerisch oder pittoresk beschreiben kann. Dabei kommt natürlich das warme Abendlicht sehr zu gute. Ich mag solche Inseln wie diese beiden, die man auch nach dem Anlegen am Nachmittag noch entspannt umwandern kann ohne gleich stundenlang unterwegs zu sein. Das geht auf Samsö nicht mehr, weswegen wir dort zwei der vier Häfen anlaufen.

Regentag in Ballen

Nach der Rundung der Südspitze, die Tzefix mit festgelaschter Pinne unter stetigem, sachten anluven quasi alleine ausführt erreichen wir mit dem letzten Windhauch zuerst Ballen. Trotz Hochbetrieb finden wir sofort eine Box, die wohl bisher für alle anderen zu schmal war. Ein Hoch auf kleine Boote! Allerdings mache ich von hier aus keine große Wanderung, am nächsten Tag regnet es fast ununterbrochen aus dem bleigrauen Nebel auf spiegelglattes Wasser und die Südspitze konnte ich ja bereits ausgiebig durchs Fernglas betrachten während Tzefix so schön gesegelt ist. Daher ziehen wir nach dem Regentag auch weiter nach Norden, in den Hafen von Langör, wo deutlich weniger los ist. Hier könnte man eigentlich gut ankern, aber die Windrichtung und auch die vorhergesagte Windstärke für die Nacht lassen uns den Hafen vorziehen.

Ich mache mal wieder mit einem Leihfahrrad eine ausgedehnte Tour bis ganz an den Strand im Norden und wandere zwischendurch über schmale Pfade auf den sanften Hügeln umher. Bißchen wie auf Tunö, nur ausgedehnter. Radfahren finde ich immer eine schöne Abwechslung und ich genieße es, so meine Radius der Inselerkundung deutlich zu vergrößern ohne viel länger laufen zu müssen.

In Ebeltoft hingegen, unserem nächsten Ziel ist man besser zu Fuß in den schönen Gassen der Altstadt unterwegs und vom Hafen ist es auch nicht weit dahin. Ein lohnendes Ziel auch wenn das hersegeln zum Schluss eher mühselig wird als wir vom freien Wasser in die Bucht kreuzen und  der Wind immer mehr abnimmt. Leider wird es zwei Tage später, als wir wieder bei schwachem Südost aus der Bucht kreuzen auch nicht besser und danach ist der Wind ganz eingeschlafen, die Segel schlackern ganz erbärmlich durch die alte Welle vom Vortag.

 

Bis nach Grenaa halten wir das nie durch, denke ich und hin kommen wir da sowieso heute nicht mehr, so lang zu motoren habe ich auch keine Lust. Nach Ebeltoft zurück wäre weitaus kürzer, aber nach dem wir es so geduldig bis aus der Bucht geschafft haben wollen wir nicht zurück Also bleibt nur Hjelm als logisches Ziel (und viel verlockenderes) übrig und da ohnehin noch bis Morgen Vormittag Flaute angesagt ist, dürfte das Ankern dort kein Problem sein. Unser treues Knatterle schiebt uns die letzten Meilen in die Bucht mit der lang auslaufenden Sandzunge voller Vögel. Direkt unterhalb des Leuchtturms fällt der Anker in sehr klarem Wasser auf den sandigen Grund. Es folgt der erste echt Einsatz von Ding i , ich rudere zuerst die ganze Bucht entlang und nach dem Abendessen folgt der Landgang. Hjelm ist bis auf ein einzelnes Ferienhaus nicht bewohnt, darf aber betreten werden. Klar, dass ich diese Insel erkunden muss und bald finde ich einen ziemlich zugewachsenen Pfad zum Leuchtturm, von wo ich einen herrlichen Blick über die Ankerbucht bei Sonnenuntergang genieße. Am späteren Nachmittag hat sich noch eine holländisch Yacht am anderen Ende der Bucht eingefunden, doch deren Crew bleibt an Bord.

Weiter geht es nur über Grenaa, um direkt bis Anholt zu segeln reicht auch heute der Wind nicht, selbst die letzten Meter müssen bei totaler Flaute wieder unter Motor erfolgen. Nicht ahnend, wie lange wir hier festhängen sollten, laufen wir in den großen, trubeligen Hafen ein und finden erstmal einen Platz für die Nacht. Allerdings verholen wir am folgenden Tag paddelnd in eine andere Box (Es herrscht mal wieder absolute Flaute) um für die mittlerweile angekündigten Starkwindtage den Wind wenigstens direkt von vorne zu haben. Das hat sich echt gelohnt, den Großteil der folgenden Woche stürmt es, regnet zum Teil ununterbrochen fast den ganzen Tag. Mitunter trommelt der Regen so laut auf die Plane und an Deck, dass selbst Hummels Trompetenkonzert, meine Lieblingsmusik für solches Wetter, nicht mehr dagegen halten kann. Wie gut, dass ich einen großen Vorrat an Tee und Keksen habe. Immer wenn ich zum Waschhaus an den Wohnmobilen vorbei laufe, ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass man mit so einem Gefährt nicht so sehr vom Wetter abhängt, es nirgends rein tropft, was mir in dem Moment sehr verlockend erscheint. An einem der nur windigen, aber trockenen Tage wandere ich zum Leuchtturm und bringe meinen Motor zur Erstinspektion.  Außer allen erdenklichen Serviceleistungen rund um die Schifffahrt hat Grenaa nicht viel zu bieten, zumindest nicht so viel, als das man fast eine Woche dort verbringen müsste. Jeden Tag mache ich einen Rundgang durch den Hafen, ein paar Boote laufen ja selbst bei Windstärke 8 immer noch ein oder aus. Endlich scheint der Tag mit moderatem Westwind gekommen zu sein, auf den wir gewartet haben und wir stechen in See. Leider ist der Wind dann schon wieder so gering und die alte Welle noch so ausgeprägt, dass wir erbärmlich herumgeschubst werden, schlenkern, rollen, die Segel schlagen und wir kommen so schlecht voran, dass bald klar ist, nach Anholt kommen wir so frühestens am späten Abend. Widerwillig machen wir kehrt und laufen nochmal Grenaa an, ich habe definitiv keinen Motivation stundenlang so herumgebeutelt zu werden und die Vorhersage für den nächsten Tag verspricht gute Bedingungen. So ist es dann auch und wir kommen problemlos und sehr angenehm in einem Schlag nach Anholt rüber, wo wir uns eine Heckboje mit einem Einhandsegler auf seinem kleinen Boot teilen, den wir schon auf Langör getroffen haben. In den nächsten Tagen teilen wir auch noch Erdbeeren und Bohnen, da jedem von uns die ganze Menge zu viel wäre. Sehr praktisches Tauschgeschäft. Anholt ist super und ich bin sehr erfreut es zu meinem ersten Ziel geschafft zu haben, wo ich immer schon mal hin wollte.

Anholts Küste

Inseln sind einfach faszinierend, besonders wenn sie eine solche Lage wie Anholt haben, ganz allein mitten im Kattegat. Am Hafen ist einiges los, doch sobald man sich etwas davon entfernt wird es merklich ruhiger und auch bei der obligatorischen Inselüberquerung treffe ich kaum Leute. Man kann direkt am Strand entlang bis zum Leuchtturm laufen und dann auf einem Pfad durch die Inselmitte, die sogenannte Wüste, da hier kaum mehr ein Baum wächst und wirklich nur Sanddünen und Bodenvegetation weit und breit zu sehen sind. Vom Wind merkt man in dieser Wüste kaum noch was. Hier auf Anholt treffe ich auch die ersten anderen Folkebootsegler seit ich die Schlei verlassen habe. Den Abend verbringen wir erst auf dem Boot von Jonathan, dann stößt Arne zu uns, der mit seinem Dingi durch den Hafen rudert und uns für unser schönes Boot lobt, worauf wir ihm erklären, dass wir ja eigentlich 2 so schöne Boote haben und wenig später rudern wir zu dritt in seinem Dingi durch den Hafen, weil die anderen beiden natürlich auch noch Tzefix sehen wollen und warum sollten wir da zu Fuß hin gehen? Mittlerweile ist es an unserer Heckboje auch noch enger geworden und wir schließen Bekanntschaft mit einigen Crews aus der Schlei, die in unserer Nähe liegen und mit denen wir einen Grillabend verbringen. Bald sind allerdings nur noch Tzefix und ich übrig, die anderen haben nicht so viel Zeit, bzw. wollen nach Schweden und Norwegen während wir auf östliche Winde warten um nach Hals zu kommen.

Anholts Wüste

 

Hier geht’s zu Teil zwei von Lisas Segelsommer

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