Segeln mit Kindern, na klar! (Teil 2)

Mit zwei Jahren in die Karibik,

ne nicht im Folkeboot, noch nicht 😉

 

Pirates of the caribbean
St. Vincent schreit ja geradezu zum Nachspielen von Pirates of the caribbean, oder?

 

„Testfahrt nach Stockholm: Prop verloren, Wetter beschissen, Katjas Bein genäht, Nebel im VTG, Katja ständig seekrank. Aber das wirklich schlimmste war, dass nun Niklas auch noch anfing zu brechen.“ so endete der letzte Blogeintrag.

Nun, wir haben uns ein paar Wochen Zeit gegönnt, in denen jeder darüber nachdenken konnte, ob eine Langfahrt das Richtige für unsere kleine Familie wäre.

Nach dem Desaster von Stockholm, konnten wir uns zunächst nichts mehr in dieser Richtung vorstellen. Was ist, wenn Katja oder noch schlimmer Niklas die ganze Zeit seekrank sind? Was, wenn jemand krank wird, wo es keinen Arzt gibt, was ist mit Heimweh? Ist man gestresst von Zielen, die man sich setzt und evtl. nicht erreicht??

Wir haben beschlossen TROTZDEM loszufahren.
Mit gut 14 Monaten Zeit im Gepäck, einem gut ausgerüsteten Schiff und einem noch keine zwei Jahre alten Niklas haben wir im Mai 2011 im Citysportboothafen in Hamburg die Leinen losgeworfen.  Wir haben uns bewusst kein Ziel gesetzt. Wenn wir nur nach Helgoland kommen und dort für ein Jahr bleiben…. auch gut. Keiner soll sich gezwungen fühlen irgendetwas zu tun, was er nicht möchte oder wovor er Angst hat.
Und siehe da, mit diesem Arrangement sind wir viel besser unterwegs, als im Jahr zuvor.

Selbst schlechtestes Wetter auf langen Seepassagen kann uns nicht mehr aus der Ruhe bringen. Wo es uns gefällt, bleiben wir einfach ein paar Wochen. Wir lernen alle Kinderspielplätze zwischen Hamburg und Teneriffa kennen. Wir genießen es Bekanntschaften zu machen, tummeln uns wochenlang in den spanischen Rias, auf Madeira oder den Kanaren. Wir bekommen Besuch von zu Hause und beginnen uns von einem Urlaubsgefühl zu entledigen und schalten in einen neuen Reise-, Lebensmodus um.

Das hab‘ ich unterwegs einmal aufgeschrieben:

……So langsam gewöhnen wir uns, an unser neues Zuhause und dessen Enge, wissen wir doch, dass das für mindestens ein Jahr nun der Standard sein wird.

Es gibt keinerlei Privatsphäre mehr, keine Rückzugsmöglichkeiten, höchstens mal mit Hilfe eines Spaziergangs.

Mich stört das nicht, Niklas sowieso nicht, der findet es sogar super, und Katja ist auch recht anspruchslos. Lange Zeit sehr nahe miteinander zu verbringen, das hatten wir schon vielfach in zurückliegenden Reisen getestet.

Ein halbes Jahr Rucksack und Fahrradtour durch Südamerika, jeden Abend im Zweimannminizelt, oder bei diversen Faltboot und Kajaktouren in Schweden und Norwegen. Im Vergleich dazu haben wir nun wirklich Luxus und Komfort. Viele Dinge von zu Hause haben den Weg auf das Schiff gefunden, unzählige Bücher, Niklas Kuscheltiere und Spielzeug, selbst das rote Bobbycar ziert Nubias Deck, und hat dem ein oder anderen schon ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Wir können zweiflammig kochen, haben mehr oder weniger fließendes Wasser und sogar ein Klo.

Da stört es (noch) nicht weiter, dass wir jeden Abend den Salon umbauen und ihn mittels absenkbarem Tisch zum Elternschlafzimmer werden lassen. Die Bugkabine ist Niklas Reich. Das kleinste Kinderzimmer, was je ein Kind hatte. Fragte man ihn gegen Ende der Reise, ob er gerne ein größeres hätte, kam ohne nachzudenken ein: „Wieso, ist doch groß!“…….

Robinson läßt grüßen
Robinson läßt grüßen.

Auf den Kanaren tagt der Familienrat darüber, wie wir unsere Reise fortsetzen sollen. Übereinstimmend beschließen wir Niklas die Atlantiküberfahrt, die mit unserer Nubia zwischen drei und vier Wochen dauern würde, zu ersparen.
Mutter und Sohn brechen also für etwa einen Monat zum Heimat- und Weihnachtsurlaub nach Deutschland auf. Anfang Januar treffen wir uns, die Beiden recht erholt, ich mit einem gewissen Schlafdefizit versehen, auf Barbados wieder.

Eine Konzession, die, im Nachgang betrachtet, absolut richtig war. So hat keiner die Lust am Segeln verloren und die Reise startete in einen unbeschwerten zweiten Teil.

Ihr merkt, diese Reiseform ist immer dann einfach, wenn man alle Optionen hat, also nicht weiter oder irgendwohin MUSS. Dazu gehört natürlich, sich Zeit zu nehmen oder ggf. auch mal auf unterschiedliche Verkehrsmittel auszuweichen. Ein Kind von zwei Jahren, muss rund um die Uhr bespaßt werden, darüber muss man sich im Klaren sein. Bei kurzen Schlägen, die wir übrigens oft in die Nacht verlegt haben, ist das kein Problem. Die fünf Tage und Nächte von der portugisischen Küste nach Madeira bei sehr stürmischen Wetter waren da schon anstrengender. Mit dieser Erfahrung trafen wir die Entscheidung den Atlantik nicht gemeinsam zu überqueren.

Niklas hat sich prächtig entwickelt, schon früh hat sich sehr sicher an Bord bewegt. Jedes Schaukeln wurde antizipiert und als vollkommen normal hingenommen. Als uns meine Eltern mal besuchten, erzählten wir ihm, dass sie in einem Hotel wohnen würden. Auf die Frage, was ein Hotel sei, antwortetete er nicht verlegen sofort: „festes Haus!“ Für ihn war seine schwimmende Nubia das normalste Haus der Welt.
Er hatte seine Eltern beide, von morgens bis abends, keiner musste arbeiten, alle hatten Zeit für einander. Wer kann das von sich behaupten? Ein unbezahlbares Privileg, was wir stets zu schätzen wussten.

 

Traumreise
Traumreise

 

Wir lebten ein Jahr draußen, waren nicht einen Tag krank, haben uns nicht verletzt und Niklas ist nicht ungewollt ins Wasser gefallen, weder mit noch ohne Schwimmweste. Niklas hat mit vielen Kindern aus unterschiedlichen Ländern, armen und reichen, mit unterschiedlichen Hautfarben und verschiedenen Sprachen gespielt und das als völlig normal empfunden. Wir hatten eine großartige Zeit miteinander und würden oder werden das hoffentlich irgendwann so oder so ähnlich noch einmal wiederholen.

Dinghifahren
Seine große Leidenschaft, das Schlauchboot!

Fragt man Niklas heute nach seinem größten Wunsch, steht eine Weltreise jedenfalls ziemlich weit oben, obwohl er, und das ist vielleicht das größe Manko der Reise, sich kaum noch an die Karibik erinnert.

Was aber geblieben ist, denken wir, ist seine offene Art auf andere Kinder zuzugehen und die Lust am Reisen.

Also, wer sich solch eine Reise vorstellen kann, sollte sie nicht so lange aufschieben. Sie ist definitiv eine Bereicherung für alle Beteiligten.

 

 

In der nächsten Folge erzählen wir Euch dann, dass das natürlich auch mit weniger Zeit auf einem kleinen Folkeboot auf der Ostsee möglich ist.

Stay tuned!

 

Wer in die Karibikreise „reinlesen“ möchte, kann das hier tun.

Und hier gibt es den ersten Teil vom Blog „Segeln mit Kindern“

 

 

 

 

 

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